Feste oder flexible Klinge?

15.05.2019 21:03 | Blog

Definition der Klingen im Taichi Shop

Starre Klinge: unbeweglich

Feste Klinge: Biegt sich nicht durch das Eigengewicht, wenn man die Waffe auf die Spitze stellt, ist aber nicht völlig starr

Leicht flexible Klinge: die Klinge ist im letzten Drittel flexibel – Fajin geeignet

Flexible Klinge: die Klinge ist insgesamt flexibel – Fajin geeignet

Stark flexible Klinge: die gesamte Klinge ist stark flexibel – vor allem für WuShu geeignet

Feste oder flexible Klinge, wie wähle ich aus?

Ein Gastbeitrag von Jan Leminsky

Waffen wurden historisch gesehen nach geplanter Verwendung ausgesucht. Militärisch gesehen waren Lang- und Kurzwaffen erforderlich. Je nach körperlicher Verfassung konnte dann das Gewicht einer Waffe und damit dann auch der Durchschlagkraft gewählt werden. Helebarden beispielsweise sind eine schreckliche Waffe in der Hand eines kräftigen und langen Menschen. Ein mäßig kräftiger Mensch ist dann wiederum mit einer leichteren Waffe besser bedient.

Bei chinesischen Waffen gibt es unterschiedliche Klingenarten. Feste oder auch starre Klingen sind die klassischen Klingen, da hier die ursprüngliche Funktion der Waffe gegeben ist. Mit der Waffe kann man schneiden, hacken oder schlagen. Historisch gesehen war der Verwendungszweck einer Waffe die Tötungsabsicht. Parallel dazu gibt es die rituellen Eigenschaften und natürlich die Statusfunktion.

Bei hochwertigen Schwertern wurde der Stahl mehrmals gefaltet und mit dieser Herstellung wurde eine sehr solide und kräftige Klinge erzeugt. Die heutigen Übungsschwerter sind für gewöhnlich aus einem Stahlstück gefertigt und werden nicht gefaltet, da diese aufwendige Herstellung die Kosten einer reinen Übungs- oder Deko-Waffe unnötig in die Höhe treiben würde.

Feste Klingen sind in der Klingenspitze noch etwas flexibel, ohne dass die Spitze einknickt, wenn die Waffe mit der Spitze auf den Boden gestellt wird. Starre Klingen sind durchgehend solide und auch etwas dicker. Die Stabilität würde mit einer gefalteten Klinge auch erreicht werden, die dann leichter wäre und damit Richtung Kampftauglichkeit geht.

Die modernen Waffen gehen mehr den Weg zu Übungsinstrumenten, die nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion haben. Ein sehr schönes Beispiel sind hier die Kampffächer, die ursprünglich mit Metallstreben und Klingen an den Enden ausgestattet waren. Die jetzigen Bambusstreben sind für die Übungen absolut ausreichend, den Kampfnutzen haben sie aber nicht.

Das gleiche gilt für die Blechklingen oder Schwabbel-Klingen von Säbeln. Wie an einem Blatt Papier kann man sich an diesen Blechen zwar noch verletzten, aber die Hackfunktion eines Säbels ist nicht mehr gegeben. Diese Übungsgeräte sind im Bereiche der modernen Kampfkunstdarbietungen des chinesischen WuShu anzutreffen. Die International Wushu Federation (IWUF) hat Normen erlassen, welche Flexibilität in den Klingen erwünscht ist. Mit dieser Norm soll sichergestellt werden, dass die Sportler vergleichbar sind. Bei Taiji-Waffen ist mit einer Schwabbel-Klinge sehr gut zu sehen, wenn der Praktiker nervös ist und in Folge die Klinge während eines Stiches hoch und runter schwingt. Diese Schwingung ist bei einer festen oder starren Klinge nicht zu sehen.

Beim Shaolin-Kungfu und ähnlichen Stilen wird die Schwabbelklinge genutzt um Knalleffekte zu erzeugen. Der Kampfkunsthintergrund erschliesst sich zwar nicht, dafür wird der Zuschauer aber trefflich unterhalten. Solche Knalleffekte sind mit festen oder starren Klingen nicht möglich.

Ein Kraftausstoss wird mit Fali übersetzt und in Verbindung mit einer Waffe sollte er sichtbar sein. Wer einen Speer benutzt hat hierzu beispielsweise eine Eisenkugel im Speerkopf, die eindeutig anschlägt, wenn die Kraft (Li) eingesetzt wird. Der gleiche Effekt mit einem anderen akustischen Geräusch wird beim Einsatz von Jin-Energie im Taiji eingesetzt. Das Fajin sollte beim Schwert, Säbel oder Fächer erkennbar (beim Fächer hörbar) sein. Mit einer Schwabbelklinge wird es akustisch betont.

Welche Waffenart oder Klinge verwendet wird, hängt stark von der Tradition eines Unterrichtenden ab. Hierzu sollte also der eigenen Lehrer gefragt werden, bevor eine Waffe angeschafft wird. Es kann beispielsweise sinnvoll sein, Formen sowohl mit einer Waffe mit flexibler als auch mit fester Klinge zu trainieren. Es kommt auf das Ziel eines Trainings an.


Jan Leminsky

  • Inhaber der Wu Wei Schule
  • Ausbilder für Taijiquan
  • Experte für 24 Bilder Form
  • praktiziert verschiedene innere Kampfkünste
  • Ausbilder von Schiedsrichtern für Taijiquan
  • organisiert in Hamburg jährlich ein Turnier
  • Gründer vom Team-Taiji Deutschland und Vertreter der XiangWuhui in Hamburg
  • Regionalvertreter des Netzwerkes in Hamburg

Schule: www.wuweiweb.de

Ausbildung: www.wuwei-akademie.de

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